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KONZERTTERMINE 7. Juli – 1. Werkstatt-Konzert näheres...
13. August - Agnes Erkens (Gesang) begleitet von Raed Koshaba (Oud)
Vom Exil zur Befreiung näheres...
26. August– Konzert von und mit Stefan Krawczyk näheres...
2. September – 2. Werkstatt-Konzert näheres...
15. Juni– Abschluss-Konzert der Komponistenklasse der Musikhochschule Weimar
Im ehemaligen Haftgebäude setzt eine Kompositionsklasse der Musikhochschule ihre Eindrücke um und versucht mit dem heutigen Blick von Außen Gefangenschaft hörbar zu machen. Ebenso trauen sich Zeitzeugen ihre Ängste und Gefühle durch Interviews in Hörstationen zu verdeutlichen.
In der Veranstaltungsreihe an den Mittwochabenden kommen vorwiegend Autoren zu Wort.
In den Werkstattkonzerten wollen Musiker durch das Medium Musik ihre Situation zu DDR-Zeiten mittels Kompositionen und eigenen Texten von damals und heute anschaulich und hörbar machen.
Geistige Enge,
Einschränkung,
Kontrolle, Zensur, Bevormundung
Ausgrenzung der Kreativität
Bespitzelung
In der DDR konnte der Blues besonders gut und tief empfunden werden. Wer damals jung war, hatte oft den so genannten “Zonen-Blues“. Man konnte das Wochenende kaum erwarten. War es endlich soweit, warf man sich als echter Kunde in Jeans und Parka, schlüpfte in Jesus-Latschen oder Kletterschuhe und dann ging es auf die Piste.
Live-Musik war die Fluchtmöglichkeit an den Wochenenden, für ein gutes Konzert trampte man, wenn nötig, quer durch die DDR.
Mittels der Musik konnte man sich wegträumen, sie wie einen fliegenden Teppich nutzen.
Wenn die Luft im Konzertsaal rein war, wurden die Texte unzensiert gesungen, in ihrer ursprünglichen Version. Solche Abende gaben Kraft um die nächste Woche im „sozialistischen Kollektiv“ zu überstehen.
Im Nachhinein muss man jeden Musiker bewundern, der zu DDR-Zeiten nicht resignierte. Es waren schon so viele Hürden zu nehmen, ehe man sich überhaupt auf eine Bühne stellen durfte!
Man musste eine Eignungsprüfung absolvieren, wurde „eingestuft“. Auch wenn man endlich die „Spielerlaubnis für Laienmusiker und nebenberuflich tätige Musiker“ in den Händen, war das keine Möglichkeit freie kreative Musik zu spielen. Diese „Spielerlaubnis“ konnte nämlich jederzeit wieder entzogen werden, wenn man sich nicht entsprechend den Normen „sozialistischen Jugendkultur“ verhielt! „Westlich-dekadente“ Bühnenkleidung oder „eine lange fettige Mähne“ waren gewichtige Gründe, eben, wenn „keine prinzipielle Abgrenzung von den negativen dekadenten Erscheinungen der westlichen Vergnügungsindustrie zu erkennen ist“.
Musik war der Transformator für die Gefühle des Eingeschlossen-Seins, baute Aggressionen ab … sie half den DDR-Alltag zu überleben. Sie setzte Energien frei, machte Mut!
Gerade durch den Blues entstand dieses Gemeinschaftsgefühl: Hier fühlte sich die DDR-Jugend verstanden … besser konnte man ihre Gefühle nicht ausdrücken … “Wir sind eine große Familie“…
Ja, das hatte auch die Staatssicherheit gemerkt und als Gefahr begriffen und war deshalb in der Jugendszene ständig präsent. Sie veranlasste ungezählte Auftrittsverbote, hatte ihre inoffiziellen Mitarbeiter sogar in die Bands eingeschleust …
Mit den Werkstattkonzerten sollen widerständige Musiker gewürdigt werden.
Hier erhalten sie eine Plattform, mit den Songs von damals, aber auch ihre heutigen kritischen Titel werden zu hören sein.
Es soll hörbar gemacht werden:
Wie wurden all diese Einschränkungen empfunden?
Was bestanden überhaupt für Möglichkeiten für Musiker trotzdem Kritik auszudrücken?
Welche Folgen konnte das haben?
Wie fand die Verarbeitung in den Texten und der Musik statt?
Wie treten diese beklemmenden Erfahrungen mittels der Musik an uns heran, wie empfinden wir sie heute?
Aber auch: Musik, die uns half zu träumen, zu überleben, unsere Kultmusik.
Das 1. Konzert wird von der Band DOGMA`N gestaltet.
Fünf Musiker aus Thüringen haben sich zusammen gefunden, um ihre Liebe zum Funky-Blues-Stuff auszuleben. Michael Roetsch aus Weimar, der Sänger und Gitarrist engagierte sich in den 80er Jahren bei den „Bands von unten“. Er spielte damals bei „Partisan“ und „Blinder Gehorsam“. Während der Besetzung des Erfurter Staatssicherheitsgebäudes 89/90 gab er mit seiner Band „Blinder Gehorsam“ ein Konzert direkt vor dem Gebäude auf der Andreasstraße, um sich mit den Teilnehmern am Hungerstreik zu solidarisieren. Michael Roetsch, Jahrgang 1963, wurde aus der FDJ ausgeschlossen. Er verweigerte den Dienst an der Waffe bei der NVA. Da er auch Autor ist, arbeitet er gerade an einem Hörbuch. Ausschnitte aus diesem werden ebenfalls während des Konzertes am 7. Juli zu hören sein.
Für unser 2. Konzert am 26. August konnten wir Stephan Krawczyk gewinnen.
Der Mann ist mittlerweile zur Legende geworden. Auch er ist ein gebürtiger Thüringer, Jahrgang 1955, und kann von den Repressalien durch die Stasi wahrhaftig „ein Lied singen“. Er studierte an der Musikhochschule Weimar, bekam 1985 Berufsverbot. Danach konnte er nur noch in Kirchen auftreten. Nach seiner Verhaftung wurde er 1988 abgeschoben.
Stephan Krawczyk gibt Konzerte, arbeitet als Schriftsteller, und beteiligt sich an Filmprojekten.
Das dritte Konzert am 2. September wird von Andre Drautz und Kathrin Begoin bestritten.
Andre Drautz , 1964 in Toronto geboren, studierte Jazz und klassische Musik in Montreal. Danach erkundete er als Straßenmusiker Europa, seine heutige Wahlheimat ist Dresden. Er komponiert, textet und arbeitet momentan an seiner zweiten CD. Bob Dylan und Neil Young sind seine Vorbilder. Er interpretiert sie mit Leidenschaft.
Die in Saalfeld geborene Kathrin Begoin, Jahrgang 1968, singt seit ihrer Jugend und begleitet sich auf der akustischen Gitarre. Ihre damaligen Probleme mit den DDR-Funktionären versucht auch sie mittels ihrer Musik zu verarbeiten. Sie fühlt sich der Liedermacher-Tradition verbunden und wird, außer eigenen Songs, z. B. Lieder von Bettina Wegner und Hannes Waader spielen.
Die friedliche Revolution lebt!
Give Peace A Chance!
Power To The People!
You May Say I’m A Dreamer, But I’m Not The Only One…
(Marina Böttcher)