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Freiheit ist ein Wort, das außerordentlich gefährdet ist durch jeden falschen Ton in seinem Gebrauch. Bei leichtfertiger und zu häufiger Benutzung neigt es dazu, selbst die Gestalt des Gitters anzunehmen.
Sebastian Bartlendth
Die Gestalt des Gitters war die Form, die in vielen Entwürfen eines Workshops in der Erfurter Stasi-UHA im Frühjahr 2008 aufgenommen wurde und sie prägte. Teilgenommen hatten Studentinnen und Studenten der Fachhochschule Coburg, die sich mit Licht-Design beschäftigen. Ihrer Erstbegegnung mit dem Gebäude, seiner Geschichte und seiner Ausstrahlung verdanken wir sehr ernsthafte Ansätze zur visuellen Auseinandersetzung und Deutung.. Befund und Ausgangspunkt war die vorgefundenen Relikte offenkundiger Unfreiheit, darunter an herausragender Stelle das Gitter.
Als Form ist es ein einfaches auf ganz besondere Weise rhythmisiertes Aufeinandertreffen waagerechter und senkrechter Linien, die – obwohl nur einen verschwindenden Bruchteil der Fensterfläche be- und verdeckend – der Wandöffnung das Stigma des Verlieses verleihen. Das Fenster wird in seiner ursprünglichen Bedeutung für Innen-/Außenrelationen zerstört.
In unterschiedlicher Weise wurde in den Workshop-Vorschlägen das Thema Gitter bearbeitet, es begegnet als wandüberspannende Bewegung sich kreuzender Linien, die jeweils für einen besonderen Moment jenes charakteristische Maß der Vergitterung annehmen, bevor sich die bedrohliche Struktur wieder auflöst und die Linien sich in freiem Spiel weiter bewegen, es begegnet in der auch farblich dramatisierten Verstärkung durchstreichender Gestik, schließlich im heraushebenden Sichtbarmachen der ganz realen vorgefundenen Situation in den Fenstern durch Beleuchtung von innen.
Die Gestalt des Gefängnisses als Kubus, den Gestus eingesperrten Lebens im Stadtbild deutlich zu machen, war Absicht aller Arbeiten. Die Ausgangspunkte lagen weit auseinander; gemeinsam war ihnen das Reagieren auf die visuelle Wirklichkeit des vorhandenen nächtlichen Lichts im restaurierten Stadtkern Erfurts und die Gefährdung des Projektes durch diese Konkurrenzsituation..
Es gab den mimikry-haften, nachahmenden Ansatz durch Imitation einer Art Firmenfassade, bei der der Betrachter erst auf den zweiten oder dritten Blick und über das Wahrnehmen von leuchtenden Inschriften die wahre Bedeutung entziffern konnte Und es gab den Gegenpol der symbolischen Heraushebung des Gebäudes bei größtmöglicher optischer Distanz zu den angestrahlen Denkmalen in der Umgebung.
Vorgeschlagen wurde u.a. die Einfärbung der Gebäudewand zur Andreasstraße in einem, monochromen Blau, das durch das Rot der Backsteine eine Brechung zum Schmutzigen, Indifferenten hin bekommen sollte.
Die durch STRONG P.A. realisierte Lösung geht auf Anregungen von Patricia Dechantsreiter und Steve Bucklitzsch zurück: Aus dem Dunkel zunächst kaum wahrnehmbar, dann anschwellend, erfasst die Farbe Blau die gesamte Gebäudefront, bleibt eine längere Zeit stehen und bricht plötzlich ab. Dieser eher statische, symbolische Teil der Installation wird abgelöst durch eine dynamische Komposition für die 30 Fenster. Zunächst erzeugt eine längere Sequenz die Illusion von „Normalität“. Lediglich die Tatsache, dass Räume in einem als leer stehend bekannten Haus erleuchtet sind, mag zunächst befremden. Hinzu kommt die klar zu Tage tretende Gittergestalt der Fenster. Die deutliche Irritation eines die gesamte Gebäudeseite erfassenden irrlichternden Flackerns kommt hinzu, wiederholt sich in Abwandlungen später. Dazwischen liegen Blöcke und Cluster von Hell-Dunkel-Wechseln. Schließlich erscheint noch einmal die gesamte Fensterfront erleuchtet, verlischt, scheint wieder auf, das letzte Aufleuchten ist ein rasches, schnell verlöschendes Aufblitzen
Aus dem einsetzenden Dunkel steigt erneut das kalte Blau auf, das die gesamte Wand einfärbt....