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Sommer in der Haftanstalt Erfurter Andreasstraße

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SOMMER 2008

bildFotografien von Claus Bach

Zwischen Neugier und Abscheu

Natürlich geht von brach liegenden Gebäudeensembles immer eine ganz eigene Aura aus. Läßt sich doch die Ästhetik des Verfalls prima romantisierend, fast exotisch fotografieren.
Erst recht dann, wenn es sich um ein Gefängnis wie das der ehemaligen Erfurter Untersuchungshaftanstalt der DDR-Staatssicherheit handelt. Fast jeder Papierfetzen, Drahtrest oder banale Nebenraum kann visuell mit Bedeutung aufge­laden werden – man sehe mir bitte den mitschwingenden berufsbedingten Zynismus nach.
Doch hier war es anders:
Spätestens bei der fotografischen Entdeckung von Selbst­versorgungs-Aggregaten und ehemaliger, prähistorisch-naturbelassener Sprecherbereiche geriet die Angelegenheit zum unkalkulierbaren psychologischem Risiko.
Es war, als ob die Vergangenheit für einen Moment bizarre Lebendigkeit werden würde und augenblicklich ein uniformierter Genosse aus dem schalldichtem Nachbarraum kommt. Selbst seine Schritte waren spürbar.
Die hatten sich tatsächlich für 1000 Jahre eingerichtet.
Ich weiß nicht, ob es gelungen ist, diese Situation über die Fotos zu vermitteln.
Aber eines weiß ich bestimmt: Hier möchte ich früher (und die achtziger Jahre waren Teil meiner DDR-Jugend) mit Sicherheit nicht gewesen sein, so platt das klingt.
Den ehemaligen politischen Gefangenen blieb das allerdings nicht erspart. Schon mindestens deshalb sollten wir ihnen – „Zeitzeugen“ genannt – um so mehr zuhören. Im selbstverständlich konserviertem Areal.   

Claus Bach                                           Weimar, 26. Juni 2008

 

 

 

Claus Bach

*1956, Fotograf, Künstler, Autor, lebt in Weimar
Hochschulstudium, Fotografenausbildung, seit 1985 freiberuflich;
Mitherausgeber und Autor diverser Künstlerbücher in der DDR,
Arbeitsaufenthalte im Ausland, Arbeits- und Projektstipendien, Lehraufträge in Trier ( Europäische Kunstakademie ),
seit 2000 Autor der Kolumne „Bildarchiv“ des Lokalsenders „Radio Lotte“ in Weimar
2005 Berufung in die Deutsche Fotografische Akademie,
Verschiedene Buchprojekte zur Architektur, Zeitschriftenpublikationen, zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen

Werktext

Zeitzitate waren schon immer Bachs Weggefährten. Auf ironische Art und Weise hinterfragt er die Bedeutung des Mediums Fotografie und deren scheinbare Abwertung in unserer Bildergesellschaft. Dabei arbeitet er mit den Mitteln der Skulptur, der Performance und des Films. Sein bisweilen durchtriebenes Spiel mit Manipulationsformen und Klischees, mit Austauschbarkeit und Uniformität deckt die Künstlichkeiten unserer alltäglichen Lebensmentalität auf und schafft – oftmals erfrischende – Irritation. ( Andrea Dietrich )

Kontakt:
Schwanseestraße 58, 99423 Weimar , T/F : 03643-59007 , M:     0177-7505626  
Mail: KCBACH@gmx.net

Links:
www.acc-weimar.de/kuenstler/bach.html
www.eka-trier.de/kurse/fotografie/fotografie_01.html
www.deutsche-fotografische-akademie.com/04_jahresversammlung/programm.html

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