Der Prager Frühling wurde in der Nacht zum
21. August gewaltsam von außen her beendet
- durch den Truppeneinmarsch der Sowjetarmee
mit den Ostblockländern Polen, Ungarn,
DDR und Bulgarien. Die NVA stand an
den Grenzen zum sofortigen Eingriff bereit.
Das war das Ende von Presse- und Meinungsfreiheit,
von Reformen und Demokratisierung
in der CSSR sowie auch das Ende aller Hoffnung
auf Veränderung im eigenen Land.
Die allgemeine Stimmungslage in Thüringen
war geprägt von Ablehnung, Kritik, Resignation
und Zorn. Laut Staatssicherheit reagierten weite Teile der Bevölkerung ablehnender
als selbst in den Tagen des Mauerbaus 1961.
Die SED und die Staatsorgane beherrschten
das öffentliche Leben der DDR so stark, dass
aus den verschiedenen parallelen Protestaktionen
eine organisierte Bewegung entstehen
konnte - viele SED-Gegner waren in den 50er
und 60er Jahren bereits verhaftet worden
und auch im Herbst 1968 drohte jedem Akteur
eine sofortige Festnahme.
Staatssicherheit und Polizei brachten in den
Tagen nach dem 21. August über 120 protestierende
Thüringer hinter Gitter - davon
kamen über 30 in die Stasi-Haft Erfurt.
Die wichtigsten Protestformen waren:
1. Flugblätter
2. Losungen/Inschriften
3. mündliche Proteste
4. Demonstrationen, Straßen-Rufe, Aufrufe
5. verbreitete CSSR-Direktinformationen.
Bis Mitte September registrierte die Staatssicherheit
für Thüringen 110 Inschriften und 65verschiedene Flugblätter. Jeder dritte Verurteilte
hatte die Okkupation offen kritisiert.
Die wichtigsten politischen Texte lauteten:
- Es lebe Dubcek, Viva Dubcek
- Freiheit für die CSSR
- Russen raus
- 1938 - 1968, Hitler - Ulbricht
- Nieder mit Ulbricht
Die Akteure der Proteste gegen die CSSR-Okkupation waren überwiegend ziemlich jung.
Im Querschnitt waren von ihnen drei Viertel unter 25, die Hälfte unter 20, jeder neunte Schüler. Anders als im Westen waren es jedoch nicht
die Studenten, die protestierten, sondern vor allem Lehrlinge, Oberschüler, junge Arbeiter.
Während die Jugendlichen hauptsächlich
Flugblätter verfassten, sich auf den Straßen
sammelten, Inschriften an Wände und Straßen anbrachten, gerieten ältere Arbeiter vor
allem durch offene Kritikäußerung ins Visier
der CSSR-feindlichen Staatsmacht.
weiterführende Informationen zu Erfurt zum Download: Faltblatt, pdf. 6 MB
Publikation zum Download: Herz, Thüringen im Frühling 1968, 200 Seiten, 6,5 MB

Im Sommer vor 40 Jahren: