home

www.einschluss.de
E I N S C H L U S S
Sommer in der Haftanstalt Erfurter Andreasstraße

home

SOMMER 2008

zeitungsausschnittIm Sommer vor 40 Jahren:

1968 - Politische Verfolgung von Akteuren gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings in Erfurt

Der Prager Frühling wurde in der Nacht zum 21. August gewaltsam von außen her beendet - durch den Truppeneinmarsch der Sowjetarmee mit den Ostblockländern Polen, Ungarn, DDR und Bulgarien. Die NVA stand an den Grenzen zum sofortigen Eingriff bereit.
Das war das Ende von Presse- und Meinungsfreiheit, von Reformen und Demokratisierung in der CSSR sowie auch das Ende aller Hoffnung auf Veränderung im eigenen Land.
Die allgemeine Stimmungslage in Thüringen war geprägt von Ablehnung, Kritik, Resignation
und Zorn. Laut Staatssicherheit reagierten weite Teile der Bevölkerung ablehnender als selbst in den Tagen des Mauerbaus 1961.
Die SED und die Staatsorgane beherrschten das öffentliche Leben der DDR so stark, dass aus den verschiedenen parallelen Protestaktionen eine organisierte Bewegung entstehen konnte - viele SED-Gegner waren in den 50er und 60er Jahren bereits verhaftet worden und auch im Herbst 1968 drohte jedem Akteur eine sofortige Festnahme.
Staatssicherheit und Polizei brachten in den Tagen nach dem 21. August über 120 protestierende Thüringer hinter Gitter - davon kamen über 30 in die Stasi-Haft Erfurt.

Die wichtigsten Protestformen waren:
1. Flugblätter
2. Losungen/Inschriften
3. mündliche Proteste
4. Demonstrationen, Straßen-Rufe, Aufrufe
5. verbreitete CSSR-Direktinformationen.
Bis Mitte September registrierte die Staatssicherheit für Thüringen 110 Inschriften und 65verschiedene Flugblätter. Jeder dritte Verurteilte hatte die Okkupation offen kritisiert.
Die wichtigsten politischen Texte lauteten:
- Es lebe Dubcek, Viva Dubcek
- Freiheit für die CSSR
- Russen raus
- 1938 - 1968, Hitler - Ulbricht
- Nieder mit Ulbricht
Die Akteure der Proteste gegen die CSSR-Okkupation waren überwiegend ziemlich jung. Im Querschnitt waren von ihnen drei Viertel unter 25, die Hälfte unter 20, jeder neunte Schüler. Anders als im Westen waren es jedoch nicht die Studenten, die protestierten, sondern vor allem Lehrlinge, Oberschüler, junge Arbeiter. Während die Jugendlichen hauptsächlich Flugblätter verfassten, sich auf den Straßen sammelten, Inschriften an Wände und Straßen anbrachten, gerieten ältere Arbeiter vor allem durch offene Kritikäußerung ins Visier der CSSR-feindlichen Staatsmacht.

weiterführende Informationen zu Erfurt zum Download: Faltblatt, pdf. 6 MB

Publikation zum Download: Herz, Thüringen im Frühling 1968, 200 Seiten, 6,5 MB

 

 

nach obenAbout Us | Contact Us | ©2008 Andrea Herz nach oben